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Große westliche Unternehmen lassen in China seit Jahren günstig fertigen. In der Volksrepublik liegen die Kosten erfahrungsgemäß etwa 15 bis 25 Prozent unter dem  Niveau Osteuropas. Darin sind die Transportkosten frei Werk nach Deutschland bereits enthalten.

Der chinesische Fertigungsstandort hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren rapide entwickelt - nicht zuletzt durch Tausende von  Lizenzverträgen, durch chinesisch-ausländische Joint-Ventures und Wholly Foreign Owned Companies, die moderne Fertigungstechnologie und -einrichtungen ins Land  transferiert haben. Während in Osteuropa wegen der Öffnung der Grenzen in den kommenden Jahren Kostensteigerungen zu erwarten sind, werden die Lohnkosten in  China noch lange Zeit niedrig bleiben. Die Material- preise entsprechen in China  mittlerweile den Weltmarktpreisen, Kostenvorteile bieten daher vor allem  lohnintensive Produkte.

Die Vorgehensweisen bei der Suche nach geeigneten  Fertigungsbetrieben sind grundsätzlich dieselben wie in anderen Märkten. Die Alternativen sind: Internet, Messen, Delegationsreisen, Auslandshandelskammern oder der Einsatz eines qualifizierten Beraters, der die Firma kostengünstig und  rasch ermittelt.

Wenn das Unternehmen qualifiziert ausgewählt wurde,  besteht eine weitgehende Sicherheit für seine Eignung. Dabei spielt neben der technischen Eignung, dass heißt der erforderlichen technischen Ausstattung und  der Qualität der Produkte auch ein qualifiziertes Management eine wichtige Rolle. Zudem sind sowohl die entsprechenden Referenzen, zum Beispiel bei der  Herstellung von Exportprodukten, als auch die Verkehrsanbindung von Bedeutung. Nicht zu vergessen ist dabei auch die sprachliche Qualifikation, das heißt die Frage, ob in der englischen Sprache kommuniziert werden kann.

Für die  Implementierung der Auftragsfertigung, etwa einer Herstellung nach vorgegebenen  Zeichnungen und Mustern, muss in der Regel ein Lernprozess mit einer  entsprechenden Vorlaufzeit in Kauf genommen werden. Nach der Auswahl des Unternehmens und der grundsätzlichen Einigung über die Lohnfertigung sind folgende Schritte, je nach Komplexität des Produkts, einzuleiten: Zustellung der  Zeichnungen, Materialspezifikation und Muster; Kostenvoranschlag (fob oder cif);  Fertigung von Musterteilen; Nacharbeiten; Qualitätsabnahme; Aufnahme der Einzel-  bzw. Serienfertigung.

Qualität erfordert Arbeitsaufwand

In der Regel muss für das Erreichen der geforderten Qualität in den ersten Schritten ein gewisser Aufwand betrieben werden, der von der Komplexität des Produkts abhängt. Ein einfacher Flansch, der in Einheiten von beispielsweise 20.000 Stück  bezogen werden soll, wird nach einer vorgegebenen Zeichnung gefertigt. Die Qualitätsabnahme des gefertigten Musters kann beim Auftraggeber (etwa in  Deutschland) erfolgen. Bei komplexeren Fertigprodukten hat sich gezeigt, dass die Qualitätsabnahme besser vor Ort erfolgt, da Einweisungen und der Transfer von Erfahrungen der Techniker des Auftraggebers erforderlich sind. Nachfolgend  werden zwei Fälle aufgezeigt, bei denen eine Lohnfertigung für  deutsche Firmen realisiert wurde: ein Fertigprodukt (a) sowie gedrehte Serienprodukte aus Metall und gefräste Einzelteile aus Aluminium (b).

Fall (a): Kostenfaktoren für das ausgewählte Fertigprodukt, Vorlaufkosten

Recherche  von potenziellen  Lieferanten/Lohnfertigern durch Berater (Zeit, Reisekosten, externe  Kosten):

  • Vorgespräche, Verhandlungen
  • Musterfertigung, Anpassung von Zeichnungen, Versendung der Musterkomponenten
  • eventuell Übersetzungskosten  (technische Zeichnungen)
  • Abnahme  der gefertigten Muster/Erstlieferung (Zeiteinsatz, Reisen)
  • Kosten für Vertragsverhandlungen
  • Vertragsgestaltung
  • Reisen, Zeit, Verhandlungen
  • Kosten für die Implementierung
  • Training
  • Abnahme der Erstlieferungen vor Ort
  • Laufende Betreuungskosten (Reisen, Kontaktpflege und so weiter)
  • Qualitätssicherung (insbesondere bei einer Modifikation des Produkts)

Die  externen Kosten für Vorlauf und Vertragsverhandlungen belaufen sich auf insgesamt etwa 35.000 EUR, zuzüglich der Kosten für drei jeweils einwöchige Reisen des mittelständischen Unternehmens nach China. Die Zeitdauer vom Recherche- bis zum Lieferungsbeginn beträgt insgesamt etwa acht Monate. Die  gesamten externen und internen Kosten haben sich mit der Lieferung der ersten zehn Container nach zehn Monaten amortisiert. Grundlage dieser Berechnung sind die Fertigungskosten in der Höhe, wie sie zuvor in Osteuropa angefallen waren. Die zusätzliche Gewinnerwartung im Vergleich zur Fertigung in Osteuropa liegt  bei drei bis vier Mio EUR pro Jahr.

  • Recherche geeigneter Unternehmen durch den Berater
  • Bereitstellung von technischen Zeichnungen,  Materialangaben
  • Musterfertigung
  • Abnahme der Muster
  • Serienfertigung

Die externen Kosten für die Recherche eines geeigneten Unternehmens liegen bei unter 3.000 EUR. Der Zeitaufwand zwischen dem Auftrag für die Recherche und der Abnahme des gefertigten Musters beträgt acht Wochen.  Die Kosteneinsparungen im Vergleich zur Fertigung in Deutschland liegen,  einschließlich der Transportkosten, bei 40 bis 50 Prozent.

Die  Globalisierung wird weiter zunehmen und auch mittelständische und kleinere Unternehmen zwingen, kostengünstige Fertigungsstandorte zu nutzen. China wird auf absehbare Zeit ein großes Potenzial an kostengünstigen Fertigungsstätten  bieten. Geeignete Unternehmen lassen sich finden - auch in China, wo der Neuling zunächst auf eine Reihe von Barrieren trifft.

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