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Thailand: Auch nach der großen Flut hält der Aufwind an

Asien: Thailands Premierminister Thaksin im Amt bestätigt - Gute Wachstumsaussichten - Das Land profitiert vom Boom in China - Deutsche Investitionen zuletzt rückläufig

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11.02.05 -Wirtschaftlich scheint sich Thailand rasch von der großen Flut zu erholen. Für 2005 wird ein Wachstum von rund 6 % erwartet. Kein Wunder, dass der erfolgreiche und populäre  Premierminister Thaksin Shinawatra am vergangenen Sonntag mit großer Mehrheit in  seinem Amt bestätigt wurde.

Auf die deutliche Mehrheit der regierenden Partei Thai Rak Thai (TRT - Thai love Thai) reagierte die Börse in Bangkok mit einem Jahreshoch. Auch deutsche Investoren, wie Siemens, Bosch oder Degussa, atmen auf. Deutschland ist Thailands wichtigster europäischer Handelspartner.  Bereits 2003 hatten die EU-Länder ihre Investitionen im Land um 53% erhöht, die  USA gar um 121% und Japan um 154%. Deutschland fiel mit einem Rückgang von 2,1 Mrd. Bath auf 400 Mio. Bath (8,4 Mio. €) deutlich aus dem Rahmen westlicher wie fernöstlicher Industrieländer. Analysten der German-Thai Chamber of Commerce  in Bangkok nennen die Orientierung deutscher Unternehmen auf China und neue  Mitgliedsländer der EU sowie die problematische wirtschaftliche Lage Deutschlands als Gründe für die Investitionsflaute.

Nach der Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht die  wirtschaftliche Aufhellung der letzten Jahre auf das Konto des populären  Premierministers Thaksin Shinawatra, einem erfolgreichen Unternehmer. "Thaksin  stand nicht nur als erster Regierungschef des Landes eine volle  Legislaturperiode durch, sondern steuerte zudem auch eine sehr erfolgreiche auf  Reformen und sinnvolle Infrastrukturprojekte, wie die Metro in Bangkok,  ausgerichtete Politik. Das brachte das Land auf wesentlich stabileres  Territorium", meint Toshimasa Mae, der bei der OECD für das Asien-Programm  zuständig ist.

Mae verweist auf die Bilanz des Regierungschefs: Die Inflation ist kein Problem mehr, die Arbeitslosigkeit ebenso nicht. Thailand hat  sich seit der ersten Wahl Thaksins im Jahr 2001 zu einem wichtigen Zulieferer  vieler internationaler Konzerne aus den Bereichen IT, Fahrzeugbau- und Telekommunikation entwickelt. Der Export boomt. 2005 rechnet die Regierung in Bangkok mit einem weiteren Plus von 15 %. Hinzu kommt ein lebhafter Binnenkonsum auf der privaten wie der industriellen Seite, der den Aufschwung stützt.
Auch in der Finanzwirtschaft wurde aufgeräumt. Die windigen Kredite der  Banken, die 1997 die fernöstliche Finanzkrise ausgelöst hatten, machen heute nur rund 10 % des gesamten Kreditvolumens aus - 1999 waren es noch etwa 50 %  gewesen. Eimon Ueda, Chef der Abteilung Finanzreform der OECD: "Das ist ein  ausgezeichnetes Ergebnis. Wo noch zugelegt werden sollte, das ist die stärkere  Beteiligung der Kapitalmärkte, um auch damit die Banken zu entlasten."

Und die Folgen der Flut? Ökonomisch wiegen sie nicht allzu schwer: Die sechs von  dem Seebeben betroffenen Provinzen brachten 2004 nicht einmal 3 % des thailändischen Sozialproduktes auf die Waage, der Tourismus im Raum Phuket nur etwas mehr als 1 %.

"Das industrielle wie finanzielle Bild Thailands sieht recht gut aus", versichert denn auch Philippe Guigny, Investmentmanager Asien  der Crédit Agricole Asset Management in Paris, die vor 16 Jahren einen der ersten Thailand Funds an den Markt brachte. "Der nun in den betroffenen  südlichen Küstenregionen hochlaufende Bauboom ist ein zusätzlicher Impuls." Wenn  Bangkok die auf wirtschaftliche Stabilisierung, Freihandel und Expansion ausgerichtete Politik fortsetze, sei das Land für Anleger künftig sicher eines der attraktivsten im fernöstlichen Raum.

Andere in der Region agierende Investoren stimmen Guigny zu. "Die Aktienmärkte reagierten auf die  Flutkatastrophe nicht sonderlich und zudem anders als erwartet", lässt Mark Malkins, Manager der Templeton Global Emerging Markets wissen.

Jerome Booth von der Ashmore Investment Management in London sieht das ebenso. "Wir investieren in Südostasien mehr, weil wir dort bessere Erträge sehen. Die Naturkatastrophe hat daran nichts geändert", sagt er. Booth nennt thailändische  Banken sehr attraktiv und auch mit dem Wiederaufbau verbundene Branchen, wie die Bauindustrie und die Produzenten von Baumaterial. Kreditinstitute, wie die  Kasikornbank PCL, die Siam City Bank PCL und die TISCO Finance PCL, stehen nicht  nur auf seiner, sondern auch auf der Buy-Liste der UBS.

Die Zwischenbilanzen der gewichtigen Thailand Funds spiegeln all das anschaulich wider. Der Fund der  Crédit Agricole legte in den vergangenen drei Jahren nicht weniger als 190 % zu,  bei Tempelton waren es 67 % und bei Fidelity 85 %. Der Aufwärtstrend hält an.  Seit Jahresbeginn kamen hier wie da zwischen 8 % und 10 % hinzu.

Wo befinden  sich die Risiken für Anleger? Nicht auszuschließen, dass erneut virale  Epidemien, wie die Vogelgrippe, aufflammen. Hinzu kommt die Rebellion  islamischer Extremisten im Süden des Landes. Regierungschef Thaksin geht  energisch gegen die Aufständischen vor. Dabei kann er sich auf den Rückhalt  seiner Landsleute verlassen. Thailand ist Überwiegend buddhistisch und die  meisten Menschen sind sehr religiös.

Ein weiteres Risiko ist mit Produktivitätswettlauf in der Region verbunden. Thaksin steuert einen rasanten Freihandelskurs. Vor allem chinesische  Unternehmen drängen verstärkt auf den thailändischen Markt. Der Druck auf die einheimische Wirtschaft nimmt deutlich zu.
Finanzminister Somkid  Jatusripitak forderte die Unternehmen des Landes Ende Januar auf, schnellstens für höhere Effizienz und Produktivität zu sorgen, um von der  Liberalisierungswelle nicht am Ende selbst überrollt zu werden.

Für  Investmentmanager Geigny ist das genau die richtige Botschaft. Gleichwohl mag er  die Risiken für Thailand nicht überbewerten. "Wenn die chinesische Wirtschaft weiter kräftig wächst, werden auch die thailändischen Exporteure davon  profitieren", argumentiert er. "Zudem kann Thaksin sicher auch weiterhin auf die Binnennachfrage zählen. Thailand und China sollten sich bei mehr Freihandel  künftig noch besser ergänzen."     JAN HÖHN/ps

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