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F&E wandert nach China und Indien ab
Neue Berater-Studie: Preisvorteile und Mangel an Ingenieuren in Europa - Das Volumen an nach Asien ausgelagerten F&E-Leistungen wird überproportional wachsen
Hightechindustrien aus Europa und den USA lassen zunehmend in China und Indien entwickeln, auf Neudeutsch das "Offshoring" von Ingenieursleistungen. Das globale Volumen für Entwicklungsleistungen beträgt derzeit rund 750 Milliarden US-Dollar und soll bis 2020 auf 1100 Mrd. US-Dollar (rund 854 Mrd. Euro) ansteigen. Das Volumen an nach Asien ausgelagerten F&E-Leistungen wird dabei überproportional wachsen – um das bis zu Fünfzehnfache von derzeit zehn bis 15 auf 225 Mrd. Dollar. Das ist das Ergebnis einer Studie des Strategie- und Technologieberaters Booz Allen Hamilton für die indische Vereinigung von IT- und Softwareunternehmen Nasscom.
Die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung ist mit 30 Prozent Anteil die globale IT-/Software- und Telekombranche, gefolgt von der Automobil- (19 Prozent) und der Luftfahrtindustrie (acht Prozent).
Im Vordergrund stehe zwar das Ziel der Konzerne, Kostenvorteile zu erwirtschaften, doch ein wichtiger Treiber sei der sich "verschärfende Mangel an Ingenieuren" in den traditionellen Entwicklungsstandorten. In ganz Europa könnten derzeit Ingenieurstellen nicht besetzt werden – in Deutschland sind es z. B. aktuell 18.000 – was zu einem "erheblichen Wertschöpfungsausfall" für die Standorte führt, sagen die Berater.
Daher sei für die Unternehmen zunehmend auch der Zugang zu großen Pools hoch qualifizierter Arbeitskräfte in den großen Wachstumsmärkten wie China oder Indien entscheidend, wodurch auch die Entwicklungszeit von Produkten für diese Märkte sinke.
Insgesamt fließen derzeit durch Offshoring von Entwicklungsleistungen rund 1,5 Mrd. US-Dollar nach Indien. Im Vergleich zum indischen Marktvolumen in den Sektoren IT- und Prozess-Outsourcing ist dies noch relativ wenig. Der Studie zufolge wird Indien seinen Offshoring-Marktanteil bis 2020 von zwölf auf 30 Prozent sowie auf ein Volumen von mehr als 60 Mrd. Dollar erhöhen können.
Allerdings stellen andere Länder, allen voran China, eine echte Wettbewerbsbedrohung für Indien dar. Denn wie eine weitere Untersuchung zeigt, ist China das beliebtere Offshoring-Land. 46 Prozent der 186 befragten Manager weltweit wollen mit neuen Entwicklungsstandorten nach China expandieren, nur 26 Prozent nach Indien. Der Rest verteilt sich auf Lateinamerika (13 Prozent) und Osteuropa (neun Prozent).
Quelle: miba, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.8.2006
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