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Es ist kein "Technologie-Klau"
China: Magnetbahnexperte Peter Mnich erläutert Zusammenhänge
Durch den Bau des Transrapids fand natürlich ein Technologietransfer statt. Der ist aber vertraglich geregelt, wie der namhafte Bahnexperte Prof. Peter Mnich im Folgenden schreibt. Er weist darauf hin, dass es auch geregelt war, Know-how-Kenntnisse in der Magnetfahrtechnik des Transrapids zu sammeln, die China jetzt umgesetzt.
Die chinesische Forschung und Entwicklung für eine eigene Magnetbahn geht auf Ende der 70er-Jahre zurück. Seit Anfang der 90er-Jahre existiert ein umfangreiches chinesisches Förderprogramm für die Magnetbahnentwicklung, was durch die Transrapid-Demonstrationsstrecke 2001-2002 ergänzt wurde. Insofern hat China stets ein eigenes Technologieprogramm verfolgt.
Natürlich fand durch den Bau des Transrapids ein Technologietransfer statt, der aber vertraglich geregelt war. Vereinbart war auch, dass der Betrieb der Transrapidstrecke in Shanghai von den Chinesen durchgeführt wird. Dabei haben die Chinesen, was auch vertraglich geregelt ist, Know-how-Kenntnisse in der Magnetfahrtechnik Transrapid gesammelt, die jetzt von den Chinesen, insbesondere in den Bereichen des Fahrwegs und des Fahrzeugs umgesetzt werden.
Die Strategie ist: Nachmachen, Aufholen, Überholen und Weiterentwickeln mit dem Ziel, eine kostengünstige Produktion für den breiten Einsatz der Magnetbahn in China zu schaffen. Es ist also absolut falsch von "Technologie-Klau" zu sprechen. Die Fahrweg-Teststrecke von ca. 1,5 km Länge auf dem neuen Gelände der Tongji-Universität ist die konsequente Weiterentwicklung des chinesischen Transrapid-Fahrwegs Shanghai für den Bauingenieurbereich, der dort konzentriert wird.
Wir sollten uns bemühen, unsere bisherige gute Zusammenarbeit und Kooperation zu vertiefen und gemeinsam die Weiterentwicklung der Magnetbahn voranzutreiben. Wortmeldungen der letzten Tage, insbesondere deutscher Politiker, schaden ausschließlich dem Ruf Deutschlands. Außerdem erschweren derartige Veröffentlichungen erheblich die bisher nicht einfachen Verhandlungen für die Verlängerung der Transrapidstrecke von Shanghai nach Hangzhou.
Es wird höchste Zeit, dass wir aufwachen und unsere Spitzentechnologie, wie den Transrapid, in Deutschland, zur Anwendung bringen. Dies betrifft insbesondere die Flughafenanbindung in München. Eigentlich könnte in Deutschland seit mindestens zehn Jahren der Transrapid fahren!
Auf Initiative der Tongji-Universität in Shanghai und der TU Berlin mit voller Unterstützung der deutschen Bahnindustrie und auch des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) wird es künftig eine chinesisch-deutsche Ausbildung der Bahntechnik-Ingenieure neben Berlin auch in Shanghai geben.
Hierzu wurde vor vielen Jahren bereits für die Studienrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften das Chinesisch-Deutsche Hochschul-Kolleg von der deutschen Wirtschaft in Shanghai gegründet. Die bisher 26 Lehrstühle, die ausschließlich von der deutschen Wirt-schaft finanziert werden, werden ab Herbst 2006 durch eine Bahntechnik-Professur ergänzt. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, für gemeinsame Projekte einen deutsch-chinesischen Ingenieurpool (Eisenbahn- und Magnetschwebetechnik) für die Zukunft aufzubauen.
PETER MNICH
Prof. Dr.-Ing. Peter Mnich ist Leiter des Fachgebietes elektrische Bahnen, neue Bahntechnologie der TU Berlin und Sprecher der Geschäftsführung des Instituts für Bahntechnik GmbH.
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